Durch Texas nach New Mexico

Nach unserem sehr spannenden Aufenthalt in New Orleans erwartet uns die längste Etappe, die wir bisher fahren mussten: Das nächste Ziel, der Great Sanddunes Nationalpark, ist von New Orleans etwa 2.000 km entfernt. Das ist nicht an einem Tag zu schaffen, und wir planen sechs Tage für die Distanz ein.

Nach dem Start am French Quarter fahren wir in Louisiana den Highway nach Norden – der Weg direkt am Mississippi wäre leider durch die vielen Flusskurven zu lang. Aber dennoch fahren wir durch die sich weiter erstreckenden Wetlands mit viel Wasser, Grün und Ölraffinerien. Den ersten Stopp legen wir in der Nähe von Alexandria ein, wo wir einen sehr abgelegenen Campingplatz an einem See finden. Die Platzbetreiber Angie und Tim haben vor fünf Jahren ihr Haus verkauft, um sich ihren Traum eines eigenen Campingplatzes zu verwirklichen. Seitdem wohnen sie in ihrem Wohnwagen. Der Platz ist inzwischen zwar auch voll erschlossen, aber so richtig fertig wirkt er noch nicht. Vor allem die Waschräume sind lediglich funktional, von Fliesen und ordentlich verlegten Rohrleitungen fehlt jede Spur. Dennoch fühlen wir uns durch das tolle Wetter und die enorme Gastfreundschaft sehr wohl.

Weiter geht es auf der Interstate nach Dallas. Auf unserem Campingplatz in einem Nachbarort treffen wir Franziska Sprinkmeyer aus Nordhorn, die hier studiert hat und zurzeit bei der Dallas Sports Commission arbeitet. Wir verleben einen geselligen Abend mit Grill und Stockbrot am Lagerfeuer.

Jetzt geht’s auf dem Highway quer durch Texas. Die Landschaft wird immer flacher, nur leichte Hügel sind von unserem RV zu bewältigen. Links und rechts der Fahrbahn erstrecken sich endlose Grün- und großzügige Weideflächen. Unzählige Rinderherden erstrecken sich teils bis zum Horizont. Der Highway durchquert immer seltener kleine Siedlungen, die oft trostlos daherkommen: Nur wenige Gebäude sind noch bewirtschaftet, hier anzuhalten lohnt sich kaum. Wieder aus den Siedlungen heraus treffen sich konventionelle und regenerative Energiequellen: Unzählige Windräder bieten die Kulisse für wenige Ölpumpen. Für Abwechslung sorgen die langen Züge: Wir haben bis zu 83 Waggons gezählt, die von insgesamt vier Lokomotiven in Bewegung gesetzt wurden.

Nach einer Übernachtung entlang des Highways führt uns die Strecke weiter nach Amarillo. Inzwischen ist es sehr stürmisch geworden, was das Fahren nicht einfach macht. Die Mittagspause wird original texanisch (zumindest wird es für den Touristen so aufgemacht) in der „Big Texan Steak Ranch“ abgehalten – mit dem besten Steak, das wir bisher in den USA serviert bekommen haben. An der 72oz-Challenge nehmen wir nicht teil. Denn hätte ein einzelner innerhalb einer Stunde ein 2-kg-Steak allein essen müssen – und hätte nichts dafür bezahlen müssen.

Die Cadillac-Ranch mutet seltsam an: Zehn Cadillacs wurden von Künstlern schräg auf einem Acker eingegraben, und jeder darf sich an ihnen verewigen. Inzwischen ist die Farbe so dick, dass sie dick herunterhängt. Auch wir nehmen Pinsel und Farbe mit und lassen die Kinder die Autos verschönern.

Der Palo Duro Canyon, der zweitgrößte Canyon in den USA, ist unser nächstes Übernachtungsziel. Er sieht aus wie eine kleine Ausgabe des Grand Canyon und lädt zum Wandern und Klettern ein, was wir nach einer sehr kalten Nacht auch wahrnehmen.

Inzwischen hat der Wind eine Stärke zwischen 5 und 6 angenommen. Die weitere Fahrt auf dem Highway wird sehr anstrengend, ständig muss der Camper in der Spur gehalten werden. Die platte Landschaft von Texas ist inzwischen so langweilig, dass selbst die ausgestorben wirkenden Siedlungen, die wir alle 20 bis 30 Meilen durchqueren kaum für Abwechslung sorgen. Die großen Silos links und rechts der Straße weisen darauf hin, dass wir gerade einen Teil der Kornkammer der USA durchqueren.

Die Abwechslung kommt mit dem Überqueren der Bundesstaatsgrenze nach New Mexico. Hier dürfen wir nicht nur die Uhren wieder um eine Stunde zurückstellen (in die Mountain Time), so dass wir inzwischen acht Stunden hinter Deutschland zurückliegen. Auch ändert sich die Landschaft merklich: Von den flachen Ackerebenen in Texas wandelt sich die Umgebung in eine hügelige bis bergige Landschaft mit ausgedehnten Prärien. Würden uns jetzt noch Bisons über den Weg laufen, wäre das Gefühl alter Indianerfilme perfekt.

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