Amerikaner und ihre Art des Campens

Als wir unseren „RV“, also unser Wohnmobil von Nordhorn aus gebucht hatten, waren wir schon etwas unsicher, ob wir mit einem 30-Fuß-Camper es nicht etwas übertreiben – das sind immerhin mehr als neun Meter! Bei der Übernahme waren wir dann ganz froh, bietet der Camper doch genügend Schlafplatz für alle vier, die bei Tage nicht umgebaut werden müssen.

Auf dem ersten Campingplatz kam jedoch das böse Erwachen: Hatten wir zu klein gemietet? Angesicht der „Schiffe“, die neben uns standen, kamen wir uns in unserem „Motorhome C30“ richtig klein und mickrig vor. Diese Schiffe waren Wohnmobil mit mindestens 35 Fuß Länge (10,7 m) oder als ähnlich langer Wohnanhänger, der von einem typisch amerikanischen Pick-up oder sogar Truck gezogen wurde.

Als wir in Washington dann von den Inhabern eines solchen Riesen nach den Erfahrungen mit unserem gefragt wurden, da sie überlegten zu zweit „down zu sizen“, war es mit unserem Selbstbewusstsein nicht gut bestellt…

Warum sind diese großen RVs so verbreitet? In den meisten Fällen sind es Ruheständler, die sich solche Fahrzeuge zu einem Basispreis von $120.000 aufwärts zugelegt haben – als Ersatz für das eigene Haus. Sie haben keinen ständigen Wohnsitz mehr, sondern reisen teilweise für mehrere Monate oder Jahre durch die USA, um das Land zu erkunden und Freunde und Verwandte zu besuchen.

Die meisten Campingplätze sind etwas ab vom Schuss. Das erklärt auch, warum viele neben ihrem Camper noch einen Pkw dabeihaben. Diejenigen mit Anhänger fahren natürlich einfach mit ihrem Pick-up in die nächste Stadt, für die anderen gibt es die Möglichkeit, den Pkw mit dem Wohnmobil abzuschleppen. Manchmal auf einem Hänger, oft auch direkt angekoppelt – ein 3.000-Dollar-Umbau des Pkws macht das technisch möglich. Unsere Verwunderung zu Beginn der Reise, das die Mobile oft unbewohnt auf den Plätzen stehen, fand plötzlich eine Erklärung.

Diejenigen, die nicht zu den Rentnern zählen, nutzen angesichts weniger Urlaubstage gerne die Wochenenden und Feiertage zum Kurzurlaub mit dem Camper. Während wir also den Sonntag in Ruhe auf dem Campingplatz verweilen, reisen andere schon nach dem Duschen wieder ab…

Ausgestattet sind die Amerikaner bestens, aller Luxus ist an Bord, und die Klimaanlagen laufen auch bei angenehmen Temperaturen ständig. In den Campern eingebaut sind oft Fernseher innen und außen, so dass das Unterhaltungsprogramm steht. In den Waschräumen nehmen wir nur wenig Betrieb wahr und vermuten, dass die Morgentoilette gerne im RV vorgenommen wird. Und während wir auf dem Campingplatz das Feuerholz teuer einkaufen (6 Dollar für 6 Scheite!), kommen die Amis mit vollen Ladeflächen zu ihrer Feuerstelle gefahren.

Überhaupt Feuer: An jedem Stellplatz auf jedem Campingplatz gibt es eine Feuerstelle, die auch von den meisten genutzt wird. Gegrillt wird auch regelmäßig abends – eine Sitte, die wir gerne übernehmen.

Die beste Erfahrung, die wir mit unseren Nachbarn gesammelt haben: Alle sind immer hilfsbereit! Auskünfte erhält man ebenso freundlich wie die Leihgabe eines Frischwasserschlauchs, wenn der eigene zu kurz oder defekt ist. Diese Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, die mein Großvater bereits vor 60 Jahren den Amerikanern attestierte, ist nach wie vor vorhanden – und wir genießen sie!

 

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